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130 Jahre "Hotel zur Post" in Lam

eine Symbiose zwischen Tradition und Modernität

Vor genau 130 Jahren, 1896, wurde das Hotel Zur Post in Lam am Marktplatz in seiner heutigen Form fertiggestellt. Einen Gasthof mit Landwirtschaft gab es an gleicher Stelle schon lange vorher. Hier wurden die Ankömmlinge - Mensch und Pferd - der nebenan gelegenen Postkutschenstation versorgt. Sie befand sich in dem Gebäude, das heute einen Friseur und eine Versicherungsvertretung beheimatet. Als 1893 die Bahnlinie der Lokalbahn Bad Kötzting - Lam ihren Betrieb aufnahm, verlor die Postkutsche als Transportmittel zunehmend an Bedeutung. Franz Xaver Geiger und dessen Frau Therese hatten den Gasthof Zur Post 1894 zur Hochzeit bekommen, ihn unmittelbar danach abgerissen und sofort mit dem Neubau des Hotels begonnen. Es waren die Urgroßeltern von Beate Späth, die mit ihrem Mann Karl Christl-Späth das Haus führt. Unterstützt werden sie von den Töchtern Sofie und Hanna. 

Seit 130 Jahren finden im Hotel Zur Post Gäste aus aller Welt eine Heimat auf Zeit, darunter Prominente wie Bundespräsident Theodor Heuss oder Philosoph Friedrich Nietzsche. Am Grundriss und an der Fassade des spätklassizistischen Baus wurde in all den Jahrzehnten baulich nichts verändert. Heute steht das ganze Ensemble unter Denkmalschutz und durfte sich 2018 über den Denkmalschutzpreis des Landkreises freuen. Umbauten und Modernisierungen werden und wurden darum auch immer mit viel Fingerspitzengefühl ausgeführt.

 

Karl und Emmi Späth

„Die Vermutung liegt nahe, dass italienische Bauarbeiter, die die Lokalbahn bauten und darum einige Zeit im Ort lebten, Einfluss auf den Baustil einiger, in dieser Epoche entstandener Häuser nahmen - unter anderem auf das Hotel Zur Post“, nimmt Beate Späth an. Wie bei allen Gasthäusern am Marktplatz gehörte zum alten Gasthof und später auch noch zum Hotel Zur Post lange Zeit eine Landwirtschaft mit Stallungen. Der erste Besitzer des Hotels Zur Post, Franz-Xaver Geiger, wie dessen Sohn Alfons Geiger, waren in erster Linie Landwirte. Die Frauen führten in der Hauptsache die Gastwirtschaft und den Übernachtungsbetrieb. In der alten, oben erwähnten Postkutschenstation befand sich viele Jahre im Obergeschoss die Hausarztpraxis Dr. Schönberger und bis in die 1970er Jahre die Lamer Polizeistation. 1979/80 wurde das historische Gebäude von der Familie Späth renoviert. Dann hatte viele Jahre die Osserapotheke ihr Domizil hier und im Obergeschoss gab es Gästezimmer. Seither ist das Gebäude ganz offiziell Teil des Hotels. 

In den Jahren 1965 bis 2005 führten Karl und Emmi Späth das Hotel Zur Post. Sie haben es in diesen vier Jahrzehnten, als der Tourismus boomte, stark geprägt. Sie bauten das Haus im großen Stil um und renovierten. Die Zimmer erhielten Duschen mit WC, der Lift wurde angebaut, die Gästezimmer saniert, die Fenster und das Dach erneuert. Karl und Emmi Späth haben ihre Gäste voller Elan und mit großer Hingabe betreut. Stammtischabende, Musikveranstaltungen und Wanderungen waren an der Tagesordnung. Aus vielen Stammgästen wurden Freunde. Beate Späths Eltern haben das Hotel gelebt, privat und geschäftlich waren eins. Ein großer Schicksalsschlag war der plötzliche Tod von Tochter Steffi, die bereits als Nachfolgerin in den Startlöchern stand. Sie wurde nur 37 Jahre alt. 

Marketing anno dazumal

Zum Schmunzeln animiert heute die Werbung von anno dazumal: „Erstes Haus am Platz, 40 gute Betten, fließend kaltes und warmes Wasser, Badezimmer im Hause, elektrisches Licht, Wasserklosettspülung.” Ein nicht alltäglicher Service war das „elektrische Läutwerk“. Von jedem Zimmer konnte der Gast damit bereits klingeln, wenn er etwas wünschte. Alles Dinge, die in den Anfängen des Tourismus in Lam beileibe nicht selbstverständlich waren. Eine alte Speisekarte, die in die 1950er zu datieren ist, weist im Übrigen 1,80 Mark als Preis für einen Schweinebraten mit Knödel aus. 

Die Zeit bleibt natürlich auch im Hotel Zur Post nicht stehen. Die Eigentümerfamilie Späth ist immer bestrebt, ihren Gästen ein rundum gelungenes Urlaubserlebnis zu bieten. Dazu gehört, dass kontinuierlich in die Modernisierung der Zimmer wie auch der Ferienwohnung investiert wird. Social Media- und Internet-Auftritt sowie Online-Buchbarkeit sind inzwischen eine Selbstverständlichkeit.

 

Nachhaltigkeit und Regionalität

In der Küche werden zum großen Teil regionale Produkte und Lebensmittel mit kurzen Wegen verwendet. Die Lieferanten sind ortsansässig oder in der Region beheimatet. Bier und Limonaden werden im Lamer Winkel gebraut, Bäcker und Metzger aus dem Ort beliefern das Hotel und auch den Eierlieferanten kennt die Familie Späth persönlich. In Sachen Wärmeversorgung wird ebenfalls auf Nachhaltigkeit gesetzt. Eine Biomasseheizung versorgt das Hotel. Sie wird mit naturbelassenen Hackschnitzeln aus den eigenen Wäldern betrieben. Eine Besonderheit ist der traditionelle alte Ballsaal im 1. Stock. Brautpaare nutzen ihn gerne für ihre große Feier und Vereine für Versammlungen wie auch kulturelle Veranstaltungen. Im Hotel Zur Post verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart. Apropos Kultur - die ist der Familie Späth ein Anliegen. Als Mitglied der Lamer Wirtegemeinschaft trägt Beate Späth dazu bei, dass den ganzen Sommer über auf der Marktplatzbühne für Gäste wie Einheimische etwas geboten ist. Auf der großen Terrasse vor dem Hotel lässt sich der Sommer im vollen Zügen genießen. Tochter Hanna gehört zudem zur Führungsriege des Kulturvereins, der das Lila Lichtspielhaus initiiert hat und ehrenamtlich betreibt. Das kleine, außergewöhnliche Dorfkino hat im zum Hotel Zur Post gehörenden Gebäudekomplex in der Rosengasse sein Domizil gefunden. Zwischen September und Mai werden in diesem charmanten „großen Wohnzimmer“ einmal im Monat je ein Kinder- und ein Erwachsenenfilm gezeigt.

Lustige Anekdote - Ein fliegender Bummerl? 

In der Familie ist eine lustige Anekdote überliefert: Zur Landwirtschaft gehörten natürlich Rinder und darum war der Klauenpfleger regelmäßig vor Ort. Die Stallungen lagen auf Höhe des heutigen Innenhofes und eines der Rinder, ein „Bummerl“, entzog sich der „Fußpflege“ durch einen beherzten Sprung aus dem Fenster. Die Fallhöhe bis zur Rosengasse war damals erheblich. Das Tier landete geradewegs auf dem Auto von Hans Schrötter sen., der eigentlich gerade wegfahren wollte, aber noch einmal ins Haus gegangen war, um etwas zu holen. Man stelle sich dessen ungläubigen Blick vor, als er zurückkam und ein „Bummerl“ auf seinem Autodach lag. Hans Schrötter sen. hingegen hatte an diesem Tag auf jeden Fall einen Schutzengel, das Auto weniger. 

 

Das Jubiläum wird gefeiert

Am Samstag, 12. September, feiert die Familie Späth den 130. Geburtstag des Hotels mit einer Hausparty. Es gibt Live-Musik und den ganzen Tag ist im ganzen Haus etwas geboten. 

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