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Einheimische kennen ihn bestimmt und auch der eine oder andere Feriengast hat ihn schon gesehen. Gemeint ist der Osserer-Stammtisch, der sein Domizil, wie der Name schon sagt, im Osserschutzhaus hat. Das etwas Atypische daran ist, dass die Dazugehörigen ein besonderes Regelwerk haben, das 45 Jahre nicht verändert wurde und voraussichtlich noch lange bestehen bleibt.
Während andere Stammtischbrüder im Tal öfter in ihrem Vereinslokal zusammentreffen, praktizieren „D`Osserer“ seit jeher ihre Vereinbarung, dass sie fünfmal im Jahr zu besonderen Anlässen ihre Stammtischrunde in knapp 1.300 Metern Höhenlage abhalten. Die Termine kennt jedes der 20 Mitglieder, die schon seit jeher auf diese Anzahl begrenzt waren. Eigentlich sind es 21, weil der jeweilige Wirt des Osserschutzhauses auch noch zu den Gleichgesinnten zählt.
Einer, der dies bestätigen kann, ist Schriftführer Sepp Plötz. „Erst wenn einer durch Tod oder aus Altersgründen ausscheidet, stößt ein Neuling hinzu“, bestätigt das Gründungsmitglied. „Von daher sind wir schon ein besonderer Haufen“, sind sich die Stammtischler einig und auch ein wenig stolz auf ihr Alleinstellungsmerkmal.
An die Entstehungsgeschichte kann sich Sepp Plötz noch gut erinnern. „Wir waren am Karfreitag 1981 zu fünft auf dem Osser. Kein Mensch war da, denn es herrschte scheußliches Wetter, bei dem normalerweise niemand auf den Berg will.“ Als sich die Pioniere aufwärmten, flammte die Idee auf, dass man doch eigentlich einen Stammtisch gründen könnte. Gesagt – getan. Der besondere Ort verlangte jedoch nach nicht alltäglichen Regularien. Die Debütanten beschlossen, sich fünfmal im Jahr zu besonderen Ereignissen offiziell zu treffen: Heilig Drei König, Karfreitag, Vatertag, Maria Himmelfahrt (15. August) und zum „Almabtrieb“ (letzter Samstag vor Allerheiligen). Als Vorstand fungierte damals der bereits verstorbene Hermann Kelnhofer. Das Quintett komplettierten Paul Lohberger, Konrad Huber, Anne Röder aus Regensburg (+) und eben Schriftführer Sepp Plötz.
Die Reduktion auf fünf Termine im Jahreskreislauf war dem Tatbestand geschuldet, dass man Rücksicht auf die Osserfans aus Bogen nahm. Die Treffen bekam bald auch die einheimische Bevölkerung mit und die Bude war dann regelmäßig brechend voll. Wen wunderts, die „Osserer“ pflegten die Geselligkeit und waren für manchen Spaß zu haben. An Heilig-Drei-König räucherten sie die drei Räume im Osserschutzhaus gehörig aus, wie es damals in allen Häusern der Brauch war. Was im Tal meistens nur mehr die Sternsinger durchführen, wird auf dem Berg immer noch mit demselben Ritual durchgezogen. „Es gibt Leute, die kommen extra wegen unserem Auftritt als Heilige-Drei-Könige auf den Osser“, weiß Sepp Plötz. Jedenfalls bleibt kein Stuhl mehr frei. Die Besonderheit kommt erst noch. „Der Schwarze, der Weiße und der Rote beschreiben nicht nur die Türen mit dem Segensgruß, sondern zeichnen jedem Gast drei Kreuze in ihren Farben auf die Stirn“, erzählt Sepp Plötz diese althergebrachte Sitte.
Rund ein Vierteljahr später - an Ostern - sind die „Osserer“ erneut im Osserschutzhaus und haben stets einige „Ratschn“ (Klapperinstrumente) dabei. Während im Dorf vor den Haustüren geratscht wird, tun es die Stammtischbrüder auf den Tischen im Wirtshaus, was natürlich die Geräuschkulisse erheblich erhöht. Der Akt der Brauchtumspflege wird sehr geschätzt und erneut ist das Osserschutzhaus proppenvoll. Wenn man bedenkt, dass dies seit 45 Jahren in keinster Weise verblasst ist, obwohl in den Ortsteilen oftmals keine vier oder fünf Buben mehr bereit sind, mit ihren Ratschen durch die Häuserreihen zu ziehen, ist dies schon bemerkenswert.
Nicht auslassen wollen die „Osserer“ den Vatertag, der vornehmlich als Zusammenkunft der „Familienoberhäupter“ dient, wobei ein Fass Bier geleert wird. Der Stammtisch verfügt über ein kleines Budget, weil beim Eintritt zehn Euro zu zahlen sind, einen Jahresbeitrag gibt es dann keinen mehr. Am 15. August - in der Regel ein schöner Sommertag - werden die Wanderschuhe erneut geschnürt. Nach schweißtreibendem Aufstieg hat sich jeder seine Maß verdient. Der Osserwirt Siegi Kaml hatte seinerzeit eine Diatonische im Schutzhaus und sein Nachfolger Sebastian Augustin eine Böhmische. Da die Musikinstrumente also niemand hinauftragen musste, spielte Sepp Plötz regelmäßig darauf. Dabei setzte auch gleich der Gesang der alten Wirtshauslieder ein, die man ohnehin gerne vor dem Vergessen bewahrt.
Und wie es so schön heißt: Das Beste kommt zum Schluss. Das ist der sogenannte „Almabtrieb“ am letzten Wochenende vor Allerheiligen. Bekanntlich erhalten hier die Kühe beim Heimgang in die Ställe einen Kopfschmuck. Dies wird von den Stammtischlern mit einer „Krone“ nachgeahmt, die einer aus der Runde nicht ohne Stolz heimwärts trägt, natürlich begleitet von viel Gelächter.
Text: Frisch Maria