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Was bewegt einen, mehrmals in der Woche aus dem nordöstlichen Landkreis Cham in den Lamer Winkel zu fahren und auf unseren Hausberg zu steigen? Für Oliver Reisch ganz einfach: „Osserliebe!“. Mit einem Wort erklärt der 49-jährige aus Willmering seine besondere Beziehung zum Ossergebiet im Allgemeinen und zum Kleinen Osser im Speziellen.
Begonnen hat alles vor ungefähr sieben Jahren. Damals hat er seine Leidenschaft für das Wandern entdeckt. Irgendwann ist er einmal mit seiner Fußballmannschaft hinauf auf den Osser gestiegen, und ab da war es um ihn geschehen. „Die Aussicht von der Osserwiese auf die gegenüberliegenden Berge und hinunter in den Lamer Winkel ist für mich DIE Aussicht schlechthin. Hier oben fühle ich mich wahnsinnig wohl und es macht sich ein ganz tiefes Gefühl von Heimat breit“, erzählt er.
Oliver Reisch wandert in jeder freien Minute, an den Wochenenden und im Sommer auch während der Woche. „Wenn es länger hell ist, passiert es schon mal, dass ich täglich im Lamer Winkel unterwegs bin“, so Oliver Reisch. Zwei bis drei Mal jede Woche sitzt er auf dem felsigen Gipfel des Kleinen Osser unterm Kreuz, oft stundenlang. Er mag auch die gegenüberliegenden Bergkette der 8 Tausender mit Mühlriegel, Ödriegel, Enzian oder Kleinem Arber. Als erster Wanderer erreichte Oliver Reisch mit der Wander-App „SummitLynx“ alle Wandernadeln im Lamer Winkel. Innerhalb von nicht einmal zwei Wochen erwanderte er die Berge im Lamer Winkel.
Der Osser ist für Oliver Reisch ein Sehnsuchtsort
„Doch beim Gehen fällt mein Blick immer wieder hinüber zum Osser. „Wenn ich den Osser sehe, dann geht es mir gut“, sagt er und erzählt, dass er den markantesten und alpinsten aller Bayerwaldgipfel sogar von zuhause aus sieht: „Ich gehe dann von Willmering in Richtung Katzberg auf die Luitpoldhöhe. Dort steht an einem großen, alten Baum ein kleines Bankerl und von dem aus kann ich bei schönem Wetter den Osser sehen.“ Das sind immerhin fast 33 Kilometer Luftlinie. Wenn Oliver Reisch also mal keine Zeit zum Wandern hat, geht er abends noch dort hin. Für ihn ist der Osser ein Sehnsuchtsort, den er sich, versehen mit #osserliebe, auf seinem rechten Unterarm hat verewigen lassen. Was er an unserem Hausberg so liebt, kann er nur schlecht in Worte fassen. Es ist eben ein Gefühl, ein sehr tief verwurzeltes Gefühl.
Die liebste Tour ist ihm jene, entlang des Grenzkammes vom Zwercheck her oder über das Lohberger Steindl. Den beliebten, auf dem Weg zum Grenzkamm gelegenen, Aussichtsfelsen ziert seit heuer ein kleines Gipfelkreuz, dass schon vielfach in den sozialen Netzwerken gepostet wurde. Besonders den Sonnenuntergang setzt es spektakulär in Szene. Heiner Saller, ein Bekannter Oliver Reischs fertigt solch kleinen Kunstwerke aus Holz und Epoxidharz an.
Ein Gipfelkreuz für das Lohberger Steindl
Daraus entstand die Idee, dass sich ein Gipfelkreuz auf dem Lohberger Steindl sehr gut machen würde. Gesagt, getan! Waldpächter Uli Mühlbauer vom Eck hatte nach Rücksprache mit der Waldbesitzerin zum Glück nichts dagegen einzuwenden. „Der Mittelteil des Kreuzes nimmt die Farben des Himmels auf und darum sieht es immer wieder anders aus“, ist Oliver Reisch begeistert. Durch das große Loch in der Mitte kann der Betrachter den Lamer Winkel wie durch ein Brennglas erleben. Bisher habe er noch niemanden getroffen, dem es nicht gefallen hätte.
An der Grenzsteigtour mag der leidenschaftliche Wanderer besonders die Ausblicke wenn es Richtung Osser geht, sowohl ins Böhmische als auch auf die bayerische Seite. „Am Osser anzukommen, ist dann für mich wie heim kommen“, sagt er. An der Aussicht vom Kleinen Osser kann er sich nicht satt sehen: „Auch wenn ich sie schon hunderte Mal hier war, gefällt sie mir beim tausendsten Mal immer noch.“
Bei all dem ist Oliver Reisch nicht menschenscheu. Im Gegenteil, ihm gefällt die Begegnung mit anderen auf dem Gipfel und die Unterhaltungen, die sich daraus ergeben. Auffällig sei, dass inzwischen sehr viele junge Leute unterwegs sind, zum Teil sogar allein. Das sei vor Corona noch nicht der Fall gewesen. Er findet es schön, dass das Wandern sein etwas angestaubtes Image abgelegt hat. Damit könne der Lamer Winkel wirklich punkten.
Sooo schön!
„Wir brauchen uns vor den alpinen Wanderregionen Österreichs nicht verstecken. Es gibt bei uns so viele Möglichkeiten vom Wandern über Mountainbiken, Trailrunning und im Winter Schneeschuhgehen. Hier findet jeder das passende Angebot“, ist er überzeugt.
Auf seinen Social Media Kanälen versieht Oliver Reisch seine Posts natürlich mit dem Stichwort „#osserliebe“ - was sonst? Inzwischen kontaktieren ihn dort Leute, die von seinen Fotos begeistert sind, im Lamer Winkel Urlaub machen möchten und nach Tourentipps fragen. Der Austausch unter den „Bergnarrischen“ sei sehr gut und hin und wieder treffe man sich sogar zufällig oder mache gemeinsame Touren. Aussagen wie: „Ich will mir DEINEN Osser mal anschauen“, die freuen Oliver Reisch. Auch im Bekanntenkreis gibt er gerne Wandertipps und freut sich über viele positive Rückmeldungen. „Ich bin auch im Nationalpark Bayerischer Wald oder in den Alpen unterwegs, aber zu 80 Prozent im Lamer Winkel. Bei uns ist es sooo schön. Das wird mir nie langweilig“, so sein überzeugendes und emotionales Statement.