Berge

Ein unscheinbarer Schatz unserer Gewässer

Die Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera)

Die Flussperlmuschel ist seit Jahrtausenden ein wichtiger Indikator für saubere, gut durchströmte Fließgewässer. Früher waren große Muschelbänke mit 200.000 bis 500.000 Tieren keine Seltenheit.

Durch die Begradigung von Bächen und Flüssen, den Eintrag von Nährstoffen aus der Landwirtschaft sowie die Folgen des Klimawandels wurden ihre Lebensräume stark verändert. Heute kann sich die Flussperlmuschel in vielen Gewässern nicht mehr natürlich fortpflanzen. Die Bestände sind stark überaltert und die Art ist vom Aussterben bedroht.

In Deutschland gibt es nur noch 67 bekannte Populationen. Davon befinden sich vier im Naturpark Oberer Bayerischer Wald.

So lebt die Flussperlmuschel

Wie alle sieben heimischen Großmuschelarten ist auch die Flussperlmuschel auf einen Wirtsfisch angewiesen. Bei ihr ist dies ausschließlich die heimische Bachforelle.

Die Muschellarven (Glochidien) heften sich im Herbst an die Kiemen der Bachforelle und überwintern dort. Im Frühjahr fallen sie ab und graben sich im sandig-kiesigen Bachbett ein. Dort leben sie 3 bis 5 Jahre verborgen, bevor sie an die Oberfläche kommen.

Erst nach etwa 15 Jahren werden Flussperlmuscheln geschlechtsreif. Insgesamt können sie bis zu 100 Jahre alt werden. Während empfindlicher Entwicklungsphasen in den ersten Jahren können Starkregen oder Sedimenteinträge dazu führen, dass Larven absterben und die Fortpflanzung scheitert.

Ein wichtiger Helfer im Gewässer

Eine einzelne Flussperlmuschel filtert in etwa 40 Liter Wasser innerhalb von 8 Stunden. Dabei werden Pflanzenreste aus dem Wasser entfernt.
Nur ein Teil davon wird verdaut, der Rest gelangt als Nährstoff zurück ins Gewässer und dient Kleinstlebewesen als Nahrung. Diese sind wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für die Bachforelle – ein funktionierender Kreislauf im Ökosystem.

Projektarbeit im Naturpark

Der Naturpark Oberer Bayerischer Wald ist Projektpartner im Bundesprojekt MARA – Margaritifera Restoration Alliance, das sich für den Erhalt der Flussperlmuschel und ihrer Lebensräume einsetzt.

Die jüngsten Muscheln in unseren Gewässern sind rund 50 Jahre alt – eine natürliche Fortpflanzung findet nicht mehr statt. Dies liegt an der Wasserqualität und dem fehlenden Fischbesatz. Um die Art zu erhalten, ist daher eine kontrollierte Nachzucht und Stabilisierung der Bestände notwendig. Gleichzeitig müssen Gewässer renaturiert und ökologisch aufgewertet werden, um wieder geeignete Lebensräume zum Selbsterhalt der Muschelart zu fördern. 

Diese Maßnahmen setzen wir in enger Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren um.
Weitere Informationen: www.flussmuscheln.de